Zum 1-Jährigen der Offenen Bühne

Meine Geschichten reflektieren ja meistens meine Erfahrungen, Teile meines Lebens und des Lebens anderer, oftmals mit einem nachdenklichen Farbton unterstrichen. Leicht melancholisch angehaucht, zuweilen aber auch mit bildgewaltigen Gleichnissen. Doch, meine zweite Geschichte für heute Abend ist eigentlich keine wirkliche Geschichte ...

Vor bald sieben Jahren nahm meine Reise, wie ich meine Zeit hier auf der Erde betrachte, eine drastische Wendung, als ich endlich zu mir selber als Frau fand und kurz darauf hierher nach Frankfurt umzog. Mittlerweile kennen mich nicht wenige ... als diese unverblümte, kritische, zum Teil vorlaute und direkte Transe, als diese schräge, queere Künstlerin mit ihren oft bissigen und bösen Kommentaren z.B. auf Facebook oder auch anderswo.

Brigitte kennt mich diesbezüglich ja bereits nur allzu gut ... Und so manch ein anderer auch. Nein, diese zweite Geschichte soll eigenbtich weniger Geschichte werden. Aber, was schreibt man als Geschichtenschreiberin, wenn man keine Geschichte schreiben möchte? Daher fange ich hier jetzt noch einmal von ganz vorne an:

Vor ca. sechs Jahren kam ich, wie bereits erwähnt, hier nach Frankfurt. Ganz alleine, ohne eine einzige Menschenseele zu kennen, sofern es überhaupt Seelen in einer derart hektischen, unruhigen, vibrierenden Stadt geben kann, wie Frankfurt es mit all seinen faszinierenden Hochhäusern und Glasfassaden so ist. Nein, oder ja, ich liebe irgendwie diese Stadt mit all ihren Widersprüchen und Kontrasten.

Zunächst wohnte und arbeitete ich im weit entfernten Westen Frankfurts, bevor ich Martini kennenlernte, meine Herz-Allerliebste und nach Rödelheim übersiedelte. Durch meine damalige Freundin Anja, die mich in die Frankfurter Szene einführte, (wie das so klingt), lernte ich auch zum ersten Mal das Switch kennen, wie viele das Switchboard nennen.

Was war das Switch zu jener Zeit, gerade mal fünf bis fün-einhalb Jahre vorbei, eine langweilig arg vor sich hindümpelnde Location. Unattraktiv, öde, fast schon ... Wer wollte hier eigentlich sein? So trist, so leer ... Ja, so kann es zuweilen ergehen.

Die Zeit vergeht und mit ihr kommt der Wandel. Heute Abend sitzen wir hier im Switch und genießen wunderbare Abende oder NAchmittage. In einem Switch, wie es neu erblüht ist. Wie es damals niemand gesehen hätte. Dahinter stecken viele, zahlreiche Hände, viele Stunden Arbeit, Dekoration und Ideen von vielen Leuten. Nein, nicht nur Frankfurt hat sich in all den Jahren mächtig verändert, auch das Switch mit seinen vielseitigen Veranstaltungen.

Ganz besonders hat es mir, zugegeben, die Offene Bühne angetan. Eine ganz besonders schöne Veranstaltung unter der Moderation von Thomas, dem Sprößling aus dem Hause Wiese. Es sind wunderbare Abende mit vielen interessanten und inspirierenden Künstlern. Künstler, die alle etwas vortragen, egal ob Sketch, ob Lieder, ob Opernarien oder Gedichte und Kurzgeschichten ... Keine Weltberühmtheiten, obwohl schon so manche Weltberühmtheit gleichermaßen klein angefangen hatte ... Aber dennoch Künstler mit Herz und Leidenschaft, die hier auf der Bühne stehen und die große Welt spüren lassen.

Da gäbe es viele Namen zu erwähnen, Amanda, Carlos, Hubert, Olaf, Andre, Leonora und viele, viele andere, die mir jetzt s0 spontan leider gar nicht alle einfallen wollen.

Doch, was wäre das Switch, was wäre diese Offene Bühne, was wären wir Künstler ohne Euch. Ja, was wären wir ohne Euch, die ihr da den ganzen Abend auf den plätzen sitzt und uns zuhören müßt? Uns vielleicht sogar ertragen müßt? Leute, laßt Euch eines mal sagen: Ihr seid wirklich ein ganz phantastisches Publikum.

Und heute Abend möchte ich daher nicht nur der Offenen Bühne und dem ganzen Team um Thomas herzlich zum 1-Jährigen Jubiläum gratulieren, sondern vor allem Euch, dem besten Publukim überhaupt.

In diesem Sinne: auf ein weiteres Jahr mit der Offenen Bühne, mit uns den Künstlern und, vor allem, mit Euch.

Danke,

Leonora Cassandra

28.4.12 19:20

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